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Hanglage mit Trockenmauern: unterhalb des Schlifterweinbergs in Freyburg

Die Rudelsburg und die Burg Saaleck waren bereits zur Zeit der Romantik ein beliebtes Ausflugsziel

„Wenn Sie mich fragen, mit welcher Frau in der Geschichte der Kunst ich essen gehen und einen Abend verbringen würde, wäre da zuerst Uta von Naumburg“ schrieb ein beeindruckter Umberto Eco in seiner Geschichte der Schönheit.
Weithin sichtbar sind die Glockentürme des Naumburger Doms St. Peter und Paul. Im Westchor der dreischiffigen Basilika stehen die um 1250 entstandenen zwölf Stifterfiguren.



Von Reben, Mönchen und alten Mauern


In berauschender Schönheit zeigt sich die Weinstraße an Saale und Unstrut



Wer zu Fuß oder mit dem Rad der Saale-Unstrut-Weinstraße folgt, durchquert nicht nur eines der nördlichsten Weinanbaugebiete, sondern betritt auch uraltes Kulturland. Ihr Weg führt durch die vielleicht reizvollste Flusslandschaft Mitteldeutschlands, entlang mittelalterlicher Burgen und steiler Terrassenweinberge an teils extremen Hanglagen, die liebevoll umarmt werden von Jahrhunderte alten Trockenmauern.


Entlang der Weinstraße

„Der Boden ist der Vater des Weines, der Rebstock die Mutter und das Klima sein Schicksal“ heißt es in einem alten Winzerspruch und das Schicksal scheint es gut gemeint zu haben mit einer Region, die eigentlich untypisch ist für den Weinanbau.
Im Windschatten von Harz und Thüringer Wald, zwischen Weimar und Leipzig liegen eingebettet in teils unberührte Landschaften auf Steilterrassen angelegte Weinberge. Die Namenspatroninnen Saale und Unstrut schufen die Voraussetzungen für ein altes und reiches Kulturland. Die Menschen hier sind eng mit ihrer Heimat und der Tradition des Weinanbaus verbunden. Häufig bewirtschaften sie schon seit Generationen eines der vielen kleinen Weingüter. In familiärer Atmosphäre kann alljährlich im Herbst der Winzerberuf erlebt werden. Viele Winzerbetriebe laden dann wieder zur Lese ein. […]


Gemächer mit Aussicht

Herausragend schön präsentieren sich die auffallend vielen Burgen und Schlösser. Ihre erste urkundliche Erwähnung fällt in die Zeit zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert. So ist eine Reise entlang der Weinstraße zugleich auch eine Reise ins Mittelalter. Wie Perlen an einer Schnur reihen sie sich an den Ufern entlang: ob Burg Wendelstein bei Memleben, die Neuenburg hoch über Freyburg gelegen oder im Süden nahe der Kurstadt Bad Kösen die Rudelsburg und die Burg Saaleck. Als stumme Zeugen der einstigen Macht ihrer Besitzer thronen sie auf den bewaldeten und steil abfallenden Sandsteinfelsen über den Tälern und prägen mit ihrer imposanten Erscheinung den Burgenlandkreis. […]
Burgen und Schlösser waren aber nicht nur Herbergen so manchen Adelsgeschlechts. Auch Sagen und Legenden sind dort seit jeher zu Hause. So wollte einst Ludwig der Eiserne auf der Neuenburg wissen, wie wohl seine Gefolgschaft auf seinen Tod reagieren würde. Diese aber, statt in Trauer zu versinken, reagierte mit Freude und gar Jubel auf die unerwartete Neuigkeit. So wird wohl manchen von ihnen nicht nur der Weinkelch aus der Hand gefallen, sondern auch das Blut in den Adern gefroren sein, als sich der vermeintlich Verstorbene wie der Leibhaftige selbst von dem Totenbette erhob. Starr vor Schreck dem tosenden Zorn ihres Herrn ausgesetzt versprachen sie ihm, bei seinem tatsächlichen Ableben ihn auf ihren eigenen Schultern zu Grabe zu tragen. Und so soll es dann auch gewesen sein.[…]


Hinter klösterlichen Mauern

[…] Im Norden wie im Süden wird die Weinstraße von zwei bedeutenden Klöstern begrenzt. Das noch heute von Benediktinermönchen bewohnte Kloster Memleben wurde einst von Otto II. nach dem Tod seines Vaters Otto des Großen zu dessen Seelenheil gegründet und von seinem Sohn Otto III. mit Ländereien und Weinbergen großzügig beschenkt.
Südlich der Saale, auf halbem Weg zwischen Naumburg und Bad Kösen, liegt die von einer ausladenden mittelalterlichen Mauer umgebene Zisterzienserabtei Pforta. Einst kultivierten Mönche das Umland und machten es so zu einem der reichsten Klöster Ostthüringens. Seit der Klosteraufhebung Mitte des 16. Jahrhunderts beherbergt es die Landesschule Pforta. Persönlichkeiten wie Schlegel, Klopstock, Fichte und Nietzsche gehörten zu ihren Zöglingen. […]

erschienen in Landzauber N°1, Okt. 2012