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Auf Hiddensee - Der Sanddorn an seinem Lieblingsplatz: die kargen und windreichen Regionen der Küsten und Hochgebirge

Am Kap Arkona - Als Großstrauch kann er eine Höhe von bis zu acht Metern erreichen

Hippophae rhamnoides - das Pferdelicht
Schon in der Mongolei wurden Sanddorntinkturen verwendet, um Augenleiden bei Pferden zu lindern. Aus dieser Anwendung erklärt sich der Gattungsname des Sanddorn. Er besteht aus den griechischen Wörtern hippos (Pferd) und phaos (Licht). Der Artname rhamnoides kommt von „rhamnos“, dem griechischen Wort für Dornbusch.



Renaissance in Orange



Haffdorn, Sandbeere oder „Zitrone des Nordens“:
seine Namen sind so vielseitig wie seine Verwendung.
Der Sanddorn – ein vergessenes Wildobst wird wiederentdeckt



Recht unscheinbar kommt er daher, in seinem grau-grünen Blättergewand und dem meist knorrigem Wuchs. Aber in den Herbst- und Wintermonaten, wenn die Tage langsam kürzer und die Nächte wieder kühler werden, wenn sich alles Blühende langsam zurückzieht, dann hat er seinen großen Auftritt: mit unzähligen leuchtend orange-roten Früchten weiß der Sanddorn zu beeindrucken.


Weltenbummler mit guter Bodenhaftung

Eigentlich ist er ein Zugereister. Die Ursprünge des Sanddorns finden sich in Nepal. Auch heute noch bedeckt er ganze Täler in den endlosen Steppenlandschaften Zentralasiens, seiner einstigen Heimat. Vermutlich wanderte er im Laufe der letzten Eiszeit vor rund 17 000 Jahren nach Mitteleuropa ein und blieb. […] Der Sanddorn gilt als anspruchslos. Selbst von extremen Witterungsbedingungen zeigt er sich wenig beeindruckt. Seine hohe Frostresistenz und gute Hitzeverträglichkeit, aber auch seine Salztoleranz und Windfestigkeit machen ihn extrem pflegeleicht. Da er den Boden mit Stickstoff anreichert und den Humusgehalt erhöht, wird er auch häufig als Pionierpflanze zur Vorbereitung des Bodens für Folgepflanzen genutzt. Nicht nur weite Flächen bedeckt der wildwachsende Sanddorn, er kann auch erstaunliche Höhen bezwingen. So ist er in den Bergen des Himalajas bis auf 5000 Meter ü. d. M. anzutreffen. Unter solch extremen Bedingungen muss er sich aber mit einer Wuchshöhe von etwa 10 Zentimetern zufrieden geben. […]


Genügsam, aber wehrhaft

Botanisch zählt der Sanddorn (Hippophae rhamnoides L.) zu den Ölweidengewächsen (Elaeagnacea). Seine 3 bis 8 mm schmalen und 40 bis 80 mm langen lanzettenartigen und silbrig schimmernden Laubblätter haben durchaus Ähnlichkeit mit denen der Weide. Die weißlich filzige Behaarung auf der Blattunterseite schützt die Pflanze vor Austrocknung. […] Eine Ernte ist ab September aber auch den ganzen Winter über möglich. Bei dieser zeigt sich der Sanddorn jedoch äußerst wehrhaft. Die dünnhäutigen, sehr dicht und fest sitzenden Früchte werden von unzähligen, von den Zweigen sparrig abstehenden Dornen verteidigt, die eigentlich verdornte Kurztriebe sind und seinem Namen alle Ehre machen. […]


Ein Wildobst erlebt sein Comeback

Zugegeben, die stark säuerliche, fast herbe Note des Sanddorns ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Sie sollte aber keinesfalls von einem weiteren Verzehr des lange unterschätzten Wildobstes abhalten. Daher der wohl wichtigste Hinweis zuerst: Sanddorn ist völlig ungiftig. Seine Vitamin C - Konzentration liegt zehnmal höher als die von Zitrusfrüchten. Sanddorn enthält das in Pflanzen äußerst selten vorkommende für die aktive Zellteilung nötige Vitamin B12 und ist daher gerade für Vegetarier besonders wichtig. Das knochenstärkende Vitamin D, das stoffwechselfördernde Vitamin K und viele Vitamine aus der B-Gruppe ergänzen den herausragenden gesundheitlichen Wert, nach Kräften unterstützt von wertvollen ungesättigten Fettsäuren, Mineralien und Spurenelementen. […]

erschienen in Landzauber N°1, Okt. 2012